Vorab: Übergreifende Grundlagen
- Gibt es einen übergreifenden Projekt- und Zeitplan mit Meilensteinen für das Vorreiterkonzept?
- Sind die Zwischenergebnisse der Treibhausgasbilanz (vorgestellt Februar 2026 im Fachausschuss) öffentlich zugänglich – und wenn nicht, warum?
Bürgerbeteiligung ohne Datenbasis ist formal, aber nicht substanziell.
- Welche Systemgrenze gilt für die Bilanz: nur Gemeindegebiet, oder auch Pendler- und Konsumemissionen?
- Welche Bilanzierungsmethode wird verwendet (z.B. BISKO-Standard), und was schließt diese explizit aus?
- Gibt es ein Vergleichsszenario ‚Weiter wie bisher‘ als Referenz?
Ohne Referenzszenario ist nicht beurteilbar, wie ambitioniert die Maßnahmen tatsächlich sind.
- Sind alle Maßnahmensteckbriefe mit Kosten und Personalbedarf hinterlegt?
- Gibt es eine Abschätzung, wie sich die THG-Emissionen entwickeln würden, wenn alle Maßnahmen umgesetzt werden – also eine Wirkungsabschätzung, kein reines Szenario?
1. Wärme / Gebäude
Wärme ist typischerweise der größte Emissionsposten in einer Gemeinde. Die Sanierungsentscheidung liegt bei Privateigentümern – der kommunale Einfluss ist begrenzt.
- Wie hoch ist der Anteil von Wärmeemissionen am Gesamtausstoß der Gemeinde, und welche Gebäudetypen dominieren?
- Welche Sanierungsquoten werden angenommen, und worauf basieren diese Annahmen (historischer Wert: ca. 1% p.a. bundesweit)? Welche Maßnahmen sind geplant, um die Sanierungsrate anzuheben?
Ein Ziel von 2040 erfordert deutlich höhere Quoten. Sind diese realistisch finanzierbar?
- Gibt es ein kommunales Wärmenetz oder eine Nahwärmeplanung – und wenn ja, wer trägt Investition und Risiko?
- Wie wird mit Gebäuden umgegangen, bei denen eine Sanierung wirtschaftlich nicht darstellbar ist?
- Welche Förderprogramme sind eingeplant, und wie stabil sind diese Annahmen angesichts wechselnder Bundespolitik?
2. Verkehr / Mobilität
Verkehr ist schwer kommunal steuerbar. Trotzdem enthält fast jedes Klimakonzept hohe Reduktionsziele für diesen Sektor.
- Welcher Anteil der Verkehrsemissionen entfällt auf Pendler, und wie wird das methodisch erfasst?
Pendleremissionen können dem Wohnort oder dem Arbeitsort zugerechnet werden – das macht einen erheblichen Unterschied in der Bilanz.
- Wie ist der aktuelle Modal Split (Anteile Fahrrad, Fuß, ÖPNV, MIV)? Welche Zielgrößen sind festgelegt, um wieviel soll der motorisierte Individualverkehr sinken, und welche Maßnahmen sind geplant?
- Welche ÖPNV-Maßnahmen liegen im Einflussbereich der Gemeinde, welche erfordern Kreis- oder Landesentscheidungen?
- Wird Elektromobilität als Lösung eingesetzt – und wenn ja: Wie werden die vorgelagerten Emissionen des Stromverbrauchs bilanziert?
Emissionen aus der Stromerzeugung für E-Autos müssen transparent ausgewiesen sein, sonst werden Emissionen nur verlagert.
- Gibt es konkrete Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung (nicht nur -verlagerung)?
3. Strom / Erneuerbare Energien
- Wie wird der lokale Strommix bilanziert – nach tatsächlicher Erzeugung im Gemeindegebiet oder nach Herkunftsnachweisen/Zertifikaten?
Zertifikatslösungen ohne physischen Ausbau verändern den realen Emissionsmix nicht.
- Wo kann die Gemeinde erneuerbare Energien erzeugen (PV Dach, PV Freifläche, Windkraft)? Welche Flächen sind vorgesehen, wie werden sie in der Bauleitplanung festgesetzt, und welche Ausbauziele mit Meilensteinen sind definiert?
- Sind Windeignungsflächen ausgewiesen? Sind PV-Freiflächenanlagen geplant oder möglich?
- Wer profitiert wirtschaftlich vom Ausbau – externe Investoren oder die Gemeinde und ihre Bürger?
- Welche Konzepte zur Bürgerbeteiligung am Ausbau erneuerbarer Energien sind geplant? Wie unterstützt die Gemeinde Bürgerenergiegenossenschaften?
- Wie wird Stromspeicherung und Netzstabilität im Konzept berücksichtigt?
4. Kommunale Liegenschaften
Dies ist der einzige Bereich mit direkter kommunaler Entscheidungsgewalt – emissionsmäßig aber meist klein.
- Wie hoch ist der Anteil kommunaler Liegenschaften am Gesamtausstoß – und wie groß ist der Hebel tatsächlich?
- Gibt es einen konkreten Sanierungsfahrplan mit Kosten, Zeitplan und Finanzierungsquelle für jede kommunale Liegenschaft?
Fehlt dieser, bleibt es bei unverbindlichen Absichtserklärungen.
- Werden Energieverbrauchsdaten der kommunalen Gebäude bereits erfasst und veröffentlicht?
- Gibt es verbindliche Klimastandards für Neubauten über gesetzliche Anforderungen hinaus?
- Wird bei Sanierung und Neubau ausschließlich mit nachhaltigen Baustoffen und erneuerbaren Energien geplant?
- Wie wird das Klärwerk energieautark?
5. Kompensation / Restmengen
- Welche Restemissionen verbleiben im Jahr 2040, und wie hoch ist deren Anteil an der aktuellen Gesamtbilanz?
- Wie sollen Restemissionen kompensiert werden – durch lokale Senken (Wald, Moorrenaturierung) oder externe Zertifikate?
Externe Zertifikate sind methodisch problematisch: Qualität und Permanenz sind schwer prüfbar.
- Wird der Begriff ‚Klimaneutralität‘ klar definiert – insbesondere bezüglich Scope 1, 2 und 3?
Scope 3 (Konsum, Lieferketten) bleibt in den meisten Kommunalkonzepten ausgeblendet, obwohl er den Großteil realer Emissionen ausmacht.
- Gibt es eine explizite Rangfolge: Vermeidung vor Reduktion vor Kompensation?
6. Monitoring / Verbindlichkeit
Das Klimaschutzkonzept 2012 enthielt ein Monitoring, das bis 2021 nicht umgesetzt wurde.
- Welche konkreten Meilensteine mit messbaren Zielwerten sind für 2028, 2032, 2035 und 2040 vorgesehen?
- Wer ist jeweils verantwortlich für einzelne Maßnahmen – mit Namen, Rolle und Zuständigkeit?
Konzepte ohne benannte Verantwortlichkeiten bleiben folgenlos.
- Wie wird der Fortschritt gemessen, und welche Datenbasis wird dafür genutzt?
- Was passiert, wenn Zwischenziele nicht erreicht werden – gibt es Nachsteuerungsmechanismen?
- Wird das Monitoring-Ergebnis regelmäßig öffentlich zugänglich gemacht (Gemeinderat und Bürger)?
Konkrete Frage: Welche Struktur verhindert diesmal dasselbe wie nach 2012?
7. Übergreifende Fragen
- Welche Maßnahmen sind für die Gemeinde verpflichtend, welche freiwillig – und was passiert, wenn Förderprogramme wegfallen?
- Wie werden Zielkonflikte behandelt (Klimaschutz vs. Wohnraumbedarf, Gewerbeflächen, Kosten für einkommensschwache Haushalte)?
- Gibt es eine unabhängige fachliche Gegenkontrolle des Konzepts – oder wird es ausschließlich intern abgenommen?
Das beauftragte Büro erstellt das Konzept im Auftrag der Gemeinde – eine externe Qualitätskontrolle fehlt strukturell.
- Wann und in welcher Form wird das fertige Konzept veröffentlicht?
- Wird die Gemeinde die Gründung von Bürgerenergiegenossenschaften aktiv unterstützen?
- Hat die Gemeinde geprüft, ob die Abwärme des AWS-Rechenzentrums über ein System aus Erdabsorbern und Wärmepumpen – analog zum Kupferzell-Modell – für Gebäudeheizung und Nahwärme nutzbar ist? Und besteht vertraglich noch die Möglichkeit, eine solche Nutzung mit AWS zu vereinbaren?
- Wurde Vertical Farming als Nutzungsmöglichkeit der Rechenzentrums-Abwärme geprüft? Die Abwärme liefert ganzjährig die benötigte Temperatur (18–24°C); kombiniert mit PV vom Rechenzentrumdach wären Energiekosten – der größte Kostentreiber beim Vertical Farming – weitgehend eliminiert.